Burning (R: Chang-dong Lee, ROK 2018) ©capelight
Burning (R: Chang-dong Lee, ROK 2018) ©capelight

Burning (COR 2018)


Auf das titelgebende, leinwandfüllende Feuer wartet man die ganze Zeit. Das Feuer, unter dem sich alles gleicht, das die Differenzen aufhebt, verbrennt. Eine ungleiche Dreiecksbeziehung aus Menschen, die unendlich weit getrennt voneinander scheinen: Jong-su, der verarmende Schriftsteller, dem die Idee fehlt; Ben, so reich, gutaussehend und scheinbar völlig leer und die seltsame, lebenshungrige Haemi, das Mädchen zwischen ihnen, zu dem sich beide hingezogen fühlen. Sie werden, jeder auf andere Weise, durch die Idee des brennenden Feuers vereint, suchen danach oder glauben es in irgendetwas gefunden zu haben, vielleicht im Schreiben, in der Gier nach Leben, oder tatsächlich im Niederbrennen von Dingen. Als Haemi plötzlich verschwindet, und Jongsu sich verzweifelt und paranoid auf die Suche nach ihr macht, wird das Knistern und Knacken in und um diese einsamen Menschen immer lauter. Das große Feuer in Chang Dong Lees Film ist nur ein Traumbild, eine womöglich sogar falsche Erinnerung. Stattdessen zieht sich ein gefährlich leises, langsames Brennen durch die Geschichte. Ein Brennen, das sich einfach nicht austreten lässt, dem man besorgt bei seiner Ausbreitung zuschauen muss – wissend, dass danach nichts mehr wachsen kann, dass danach die Erde darunter für immer zerstört sein wird.



von Roman Paul Widera