Boston (Patriots Day, R: Peter Berg, HK, USA 2016) ©studiocanal
Boston (Patriots Day, R: Peter Berg, HK, USA 2016) ©studiocanal

Boston (HK/USA 2016)


Lässt man einmal die großartige Beschwörung amerikanischer Durchhaltepathetik außer Acht, die Berg erstklassig inszeniert, so erlangt BOSTON deswegen Größe, weil Berg eine clevere Aussage über das postideologische Zeitalter des 21. Jahrhunderts trifft und dies gerade nicht am heroischen Amerikaner tätigt, sondern am sonst so dämonisierten bad guy. Einer der beiden Brüder, Codename White Hat, ist eher der lässige Dude, der seine eigene Knarre will, um zu ballern. Er verkauft Gras auf seinem Campus, würde gerne einen Lamborghini stehlen, schaut natürlich Pornos und spielt Videospiele. Würde er keine Bomben werfen, er lebe so frei wie nichtssagend. Alain Badiou beschreibt dies als die „freie Zirkulation der Wünsche“ innerhalb einer „universalen Infantilisierung“, bezieht dies aber auf Demokraten und nicht auf Dschihadisten. Doch genau das ist Postideologie, ein fragiler und temporärer Mix aus allem. Wie der coole Typ aus GTA zieht er Bomben werfend in den Glaubenskrieg, nur hat er den Godmode nicht an. »Have Fun!« lautet die übergeordnete Maxime dieser Ideologie - bis in den Tod.



von Lucas Curstädt