Bomb City (R: Jameson Brooks, USA 2017) ©exground
Bomb City (R: Jameson Brooks, USA 2017) ©exground

Bomb City (USA 2017)


Eine gewisse Ironie lässt sich nicht leugnen, wenn in der Verhandlung um jene Nacht, in der ein Punk getötet wurde, der Anwalt des Angeklagten darauf plädiert, dass die Punks nicht mehr nur einen Style verkörpern, sondern damit Gewaltbereitschaft ausdrücken, auf die die liberale Gesellschaft mit Gewalt reagieren muss. Regenerativ, sozusagen. Dabei sind die Punks natürlich nur chicpunks, die süße Hundewelpen kaufen, um ein wenig bürgerlichen Flair ins alkoholgesättigte Leben zu bekommen. Die Football-Teenager mit ihren Rebel-Jacken sind da nicht anders, nur eben dazu prädestiniert, später Supreme-Court-Richter zu werden, wenn sie denn auch ausreichend Bier mögen. Brooks möchte anhand dieser Jugend ein Statement für Toleranz und eine Mahnung an alle Geister schicken, die Amerika weiter trennen wollen. Doch dieses verunglückt auf ganzer Linie, weil Brooks zu schematisch, zu reißerisch, zu aufgetakelt inszeniert und darin nur an das Menschliche und nicht an das Politische appellieren will. Dabei ist der Konflikt keiner um Fashion, sondern Klassenkampf.



von Lucas Curstädt