Bellissima (R: Luchino Visconti, IT 1951) ©eureka
Bellissima (R: Luchino Visconti, IT 1951) ©eureka

Bellissima (IT 1951)


Eine vom Kino besessene Frau – sie wohnt direkt neben einem Freilichtkino – muss auf schmerzhafte Weise lernen, ihr kleines Mädchen nicht als Projektionsfläche für vergangene Träume zu missbrauchen. Die Moral dieser female version von FAHRRADDIEBE scheint also eine einfache zu sein. Doch dem ist in diesem Visconti-Film natürlich nicht so, der dabei den schizophrenen Versuch wagt, das Prozedere hinter dem Kino mit Hilfe des Kinos zu attackieren. Höhepunkt dieses sensiblen und trotz aller Schläge hoffnungsvollen Dramas ist eine Einstellung zum Ende hin. Die Mutter hat sich in den Vorführraum geschlichen, um mit der Tochter die Probeaufnahmen zu sehen. Die Nahaufnahme der beiden Gesichter wird von einem zurückgeworfenen Lichtrechteck intrinsisch kadriert. Hier synthetisiert sich das Symbol der Traumprojektion der Mutter mit der Lichtprojektion des Traumapparats und zerschmettert beides in ein und demselben Moment. Die Gesichter werden zur Leinwand auf deren Oberfläche sich noch einmal das Drama der Demütigung abspielt, welches der Zuschauer zuvor von außen betrachtete.



von Lucas Curstädt