Ihr könnt mich mal!: Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas (Tatort-Schreibtisch)
Ihr könnt mich mal!: Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas (Tatort-Schreibtisch)

Ihr könnt mich mal!

(Uwe Boll, 2017)

 

Dr. Uwe Boll, das war schon immer derjenige, der bei der Durchsage des Radiosprechers, es befinde sich ein Falschfahrer auf der Autobahn, lautstark schrie: Einer? Das sind Tausende! Die Botschaft dahinter: Er gegen den Rest der Welt, hier die Schuldigen – die A-Liga in Hollywood, die Filmkritik, das deutsche Filmfördersystem – dort er, der Gescholtene, Gehasste, der dennoch eine beachtliche Karriere hingelegt hat. Dass das natürlich nur die halbe Wahrheit umfasst, erklärt sich von selbst und nach einem Jahr in Regie-Rente hat sich der Doktor der Gewaltdarstellung dazu entschlossen, den anderen Teil dieser Wahrheit aufzuschreiben und in einer Autobiographie festzuhalten. Teil dieser zweiten Hälfte wiederum ist eine auffällige Gelassenheit und Selbstkritik gegenüber alten Fehden, eine, die vielleicht erst mit Distanz geschaffen werden konnte.


Da überrascht es nicht, dass die Kapitel über seine zahlreichen (amerikanischen) Filme den langweiligsten Teil des Buches mit dem symptomatischen Titel „Ihr könnt mich mal“ ausmacht. Hier tummeln sich viele altbekannte Anekdoten, Geschicht’schen, Katastrophen am Set und Erinnerungen an ungeliebte Schauspieler, Produzenten und Drehbuchautoren. Wirklich spannend dagegen sind seine Erinnerungen an die ersten Gehversuche in der Filmbranche, seinen Werdegang, seine akademische Ausbildung und seine Erfahrung mit eben jener Filmförderung, die ihn noch vor der eigentlichen Geburt notabtreiben wollte. Sicherlich hat sich seit den 90er Jahren einiges getan, aber der Beweis muss erst noch angeführt werden, dass das Fördersystem sich gravierend zum Besseren gewandelt hat. Solange bleibt Bolls Buch für alle kommenden Regie-Generationen eine Art Anleitung zum Nicht-Nachmachen und eine Empfehlung zum Ungehorsam gegenüber dem System. Vom zweitgenannten steckt selbstredend sehr viel in diesem Buch und beinhaltet auch gleich einen Plan zur Weltverbesserung und seine Bewerbung zum Bundeskanzler.
Gleichzeitig wird klar, dass das kratzbürstige Phänomen „Boll“, wie ich es einmal nannte, seine Strahlkraft in seiner Person und schon lange nicht mehr so sehr in seinen Filmen bündelt. Dementsprechend ist selbst für alle Hasser seiner Filme – und die sind sicherlich in der Überzahl – seine Autobiographie durchaus zu empfehlen.

von Lucas Curstädt