von Lucas Curstädt

1. Die Strafe

 

Das Jahr 2009 ist vorbei. Im Firmengebäude von Unilever ertönt Musik über die Lautsprecher. Der Chef des Unternehmens bittet zur Neujahrsansprache. Nach nur wenigen Minuten drängen sich die Mitarbeiter an die Geländer des neuen Bürokomplexes. Das letzte Jahr war ein gutes Jahr, sagt er. Doch 2010 muss besser werden. Er fordere die Kultur, den Spirit und eine mega Wachstumsmentalität, damit sich der Umsatz auch auf globaler Ebene verdopple. Seine kurze Rede beendet er mit den Worten, die auch auf dem Werbeplakat unten im Foyer zu sehen sind: Unilever. Go For It. Die Mitarbeiter klatschen gewissenhaft Applaus.

 

Am 2. März 1757 wird Damien, ein gescheiterter Königsmörder, auf einem öffentlichen Platz in Paris hingerichtet (1). Dies beschreibt Michel Foucault in seinem Werk „Überwachen und Strafen“ in allen Details. Der Gefangene fleht immer wieder um Erbarmen, doch selbst sechs Pferde, die am Leib des Verurteilten ziehen und zerren, wollen ihn nicht erlösen. Erst das Durchtrennen der Sehnen und Muskeln führt zum erwünschten Resultat: Damien stirbt viergeteilt und seine menschlichen Überreste werden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Was im 18. Jahrhundert noch exemplarische und repräsentative Funktion besitzt, wird schnell aus der Öffentlichkeit verbannt (2): Gemeint ist die Bestrafung. In kurzer Zeit etabliert sich eine Neustrukturierung des Apparats, die eine Humanisierung des Strafprozesses nach sich ziehen soll. Es ist die Geburtsstunde des Gefängnisses, die einhergehende Reglementierung des Gefangenen und die Etablierung der Disziplin als Dispositiv, welches den Körper als Gegenstand und Zielscheibe der Macht entdeckt (3). Foucault schreibt: „Die Disziplin ist eine politische Anatomie des Details.“ (4) Details, Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten sind der Wegbereiter zur Verselbstständigung der Macht durch Kontrolle und Normierung.

 

Ellernhof Training: Sechs erwachsene Männer, ausgestattet mit funktionaler Kleidung, Handschuhen, einem Helm und Augenbinden, werden von Mitarbeitern eines Teambuildingunternehmens in ein unterirdisches Tunnelsystem geführt. Hinter ihnen werden die Falltüren verschlossen. Die sechs erwachsenen Männer müssen unter Verzicht des Augenlichts Aufgaben unter Zeitdruck erfüllen, dürfen nur miteinander kommunizieren, wenn sie vorher eine Pfeife benutzt haben und sollen nicht durcheinander reden. Ihnen wurde mehrmals gesagt, dass sie sich diszipliniert verhalten sollen. Das Kontrollteam beobachtet die Männer bei der Bewältigung der Aufgaben über ein Kamerasystem: Die sechs Männer seien im Flow, hätten Spaß, aber seien nicht analytisch diszipliniert genug, sagt einer der Leiter.

 

Am späten Abend sitzen diese sechs erwachsenen Männer beisammen und meditieren bei geschlossenen Augen und unter dem Kommando des Leiters über den vergangenen Tag und über die Erfahrungen, die sie gemacht haben. Ziel dieser Teambuildingmaßnahme ist es, Vertrauen aufzubauen, aber auch Verantwortungsbewusstsein zu generieren. Damit erhofft sich der Auftraggeber, ihr Arbeitgeber, bessere Teamarbeit bei der späteren Aufgabenbewältigung. Bessere Teamarbeit heißt im Klartext mehr Umsatz. Keines der Teammitglieder zweifelt das Teambuilding an.

 

Das Erschaffen der sich selbstverwaltenden und selbsterzeugenden Disziplin im Arbeitsprozess, so Foucault, unterscheidet sich im Wesensmerkmal von der Sklaverei: Sie beruht nicht auf dem Prinzip des Besitzes und ist gerade deswegen so elegant: Sie verzichte auf ein gewaltsames Verhältnis und erziele dabei „mindestens ebenso beachtliche Nützlichkeitseffekte (5)“. Der Nützlichkeitseffekt ist hier die durchgreifende Bearbeitung des Arbeiters zur aktiven Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit. Was Foucault als grundlegend negativ ansieht, die Konzeption von Macht, sie sei Unterdrückung und Verdrängung, wirke so durch die dressierende Bearbeitung des Arbeiters selbstoptimierend (6). Die „Mikrophysik der Macht (7)“ ist die Transformation der sozialen Ordnung, die die Macht weg von der Omnipräsenz zur Omnipotenz verlagert. Was Foucault später im Sinnbild des Panoptikum beschreibt, ist die totale Überwachung des Machtinhabers über den Insassen, der alles und jeden sieht, aber selbst nicht gesehen werden kann. Die Perversion davon ist die metaphorische Etablierung des Wachturms in jeden einzelnen Insassen. Es braucht so keinen allgemeinen Überwacher mehr, wenn jeder Überwachte die Funktion des Überwachens selbst übernimmt. Jeder straft, jeder ist schuldig. Dauerhaft.

 

Ein junger Mitarbeiter spricht direkt in die Kamera: „Die Attribute modern und dynamisch sollen konsequenter Weise in dem zu errichteten Neubau mit den Mitteln der architektonischen Gestaltung fortgeführt werden (…). Sie dienen, so weiter, „als Zeichen des Aufbruchs in eine moderne und dynamische Zukunft.“ Ein anderer Mitarbeiter ergänzt, dass eine MIT-Studie herausgefunden haben will, dass Kreativität und Innovation in vier von fünf Fällen durch zufällige und ungeplante Kommunikation abseits des Arbeitsplatzes, zum Beispiel bei der Kaffeepause, entsteht. Wenn dem so ist, so muss die Wirtschaft diese Zufälligkeit planmäßig kreieren. Wie generiert man Zufall? Antwort: Durch die Abwesenheit der Büroatmosphäre: Das Ergebnis ist die Integration sogenannter „Meetingpoints“ innerhalb der Büroarchitektur. Weitere Forderungen an die neue Büroarchitektur: „Gebäude müssen den Eindruck vermitteln, dass Arbeit keinen Zwang darstellen muss.“ Weiter: „Es darf kein Ort sein, an dem ich erinnert werde zu arbeiten.“ Und noch weiter: „Lichtdurchflutete, transparente Büros sollen nicht durch Luxus, sondern durch eine vitalisierende, funktionale Anmutung (…) Spaß am Arbeiten vermitteln.“ Sie sollen zusammengefasst eine „Gefühlswelt generieren.“

 

So wie die Arbeitswelt des letzten Jahrtausends in ihrer Architektur, Rhythmisierung und Strukturierung einer festen Reglementierung unterzogen war und nach klaren Regeln funktionierte (jeder Angestellte hat sein Büro, ein Büro sieht aus wie jedes andere Büro, ein Kleiderkodex reglementiert das äußerliche Auftreten, Uhrzeiten sind einzuhalten und werden (teils) mit Stechuhren exakt aufgezeichnet), so funktioniert auch das Gefängnis nach gewissen Codes (Schlafenszeit, Ausgehzeit, Essenszeit, Arbeitszeit, Freizeit). Nun aber verändert sich in Architektur und Struktur die Arbeitswelt, es findet eine Dezentralisierung, Liberalisierung Individualisierung und Humanisierung statt, um das Arbeitsklima und die Produktivität zu verbessern. Ist dies ein Akt der Menschenliebe, des Humanismus, so wie es im 18. Jahrhundert durch die Gefängnisreformen im Bezug auf die Bestrafung der Verurteilten gepriesen wurde, oder findet hier ein Umdenken in der Funktion des Machtapparats statt und damit eine einhergehende Ökonomisierung der Arbeitskraft und der Entdeckung des Humankapitals? Dieses Essay wirft mit WORK HARD PLAY HARD einen kritischen Blick auf die neue Arbeitswelt und baut eine Brücke zu Foucaults Gefängnisaufsätzen.

 

2. Das Gefängnis

 

Carmen Losmans Dokumentation WORK HARD PLAY HARD nistet sich ein in die schöne neue Arbeitswelt. Sie zeigt, wie die Wirtschaft die Ressource Mensch für sich entdeckt und optimieren will. Was hier optimiert wird, soll dem Mitarbeiter nutzen, so die Kernbotschaft der Mächtigen, die willentlich vor der Kamera Auskunft geben. Denn was gibt es besseres als einen glücklichen Mitarbeiter?

 

Einen glücklichen Mitarbeiter, in einen transparenten Glaskasten gesetzt, überwacht durch leistungskontrollierende Software und unter Verzicht der Privatsphäre, sich selbst disziplinierend durch die Abwesenheit persönlicher Gegenstände, an einem Arbeitsplatz, den er nur flexibel und teilweise nutzt, in einem Job, der ihn mit Sprachcodes wie Teamgedanke, Erlebniswelt, Flexibilität, Arbeitsatmosphäre, Neuprogrammierung, Innovation, Kreativität, Transparenz und Kommunikation zu erschlagen versucht. Im Zeitgeist ständig wechselnder Jobs und dem permanente, globalen Druck wird der Arbeiter entmündigt. Denn unter dem Eindruck der Größe des nicht mehr greifbaren Systems wird der Einzelne hörig und kontrolliert sich selbstständig.

 

Bereits in den Gefängnisreformen wurden Begriffe wie Rationalisierung und Humanisierung als positives Merkmal der Neustrukturierung angeführt, um einen gewissen Aufbruch, um einen gewissen modernen Zeitgeist auszudrücken. Foucault hat richtig erkannt, dass es sich dabei nicht wirklich um Humanismus handle, sondern um eine Neuordnung der Macht durch Disziplin.

 

Im 21. Jahrhundert lauten die Begriffe anders, bedeuten aber das Gleiche: Die Verwendung der englischen Sprache zeigt einerseits das Bestreben der Unternehmen in der globalisierten Welt konkurrieren zu können, es ist Ausdruck der eigenen Ambition und der bereits vollzogenen Etablierung im internationalen Umfeld, anderseits drückt sie auch die Panik vor genau dieser Vernetzung des Dienstleistungssektors aus. Wenn ich früher nur mit Mitarbeitern meines Unternehmens konkurrieren musste, so sitzen mir heute unzählige Arbeiter aus verschiedenen Ländern der Welt im Nacken. Ohne das ich sie sehe, kenne, erkenne.

 

Dynamisch sind nun die Prozesse, so jedenfalls das ausgesprochene Credo, in Wirklichkeit aber verschleiert die Dynamik und das positiv konnotierte Wort Transparenz die wahren Ziele: Die Verselbstständigung der Eigenkontrolle und Eigendisziplin durch das Herausarbeiten möglichst positiver Gefühle wie „Spaß an der Arbeit“. Arbeit wird durch aktive Maßnahmen innerhalb der Gebäudestruktur von der eigentlichen Arbeit gelöst. Der Begriff Arbeit soll neu konnotiert werden, quasi eine Löschung der Erinnerung stattfinden, was Arbeit eigentlich bedeutet: Eine Last, eine Pflicht, ein notgedrungenes Übel, nur selten mit Spaß verbunden. Arbeit soll in einen positiven Kontext gerückt werden, eine Neuprogrammierung des Wortinhalts stattfinden: Das Flow-Prinzip. Der Mensch in seinem leistungsfähigsten Moment. Hier macht „Arbeit“ Spaß, dieses Momentum muss also künstlich aufrecht erhalten werden. Es sind diese neuen Worte, Flow Prinzip, Dynamik, Vitalisierung, die neue internationale Sprache, die wie Nebelkerzen arbeiten: Verschleiern, was das eigentliche Ziel ist: Umsatzsteigerung um jeden Preis.

 

Die Erscheinung der eigentlichen Macht wird Schrittweise entpersonalisiert, zu eine determinativen non-physischen Erscheinung, die mikrophysisch in jeder Pore schier unsichtbar verewigt wird. Die Hierarchie in der Arbeitswelt ist noch genauso vorhanden, nur wird sie nun flach genannt, erzeugt also weniger einen Angst-, als einen Optimierungs-Apparat, der zur Ökonomisierung, nicht aber zur Humanisierung beiträgt. Wo früher noch Macht sich demonstrativ öffentlich zeigte, verschwindet sie nun hinter der Fassade der Selbstoptimierung. Angst erzeugt nun jedes kleine Panoptikum für sich selbst. Angst, aber auch das Streben nach Wachstum: Dies manifestiert sich in einer speziellen Sprache. So heißt es: „Probleme sind Herausforderungen und kein Grund rumzujammern.“ Weiter: „Dieser kulturelle Wandel der ständigen Verbesserung soll in die DNA jedes einzelnen Mitarbeiters verpflanzt werden.“ Und wenn es doch keine andere Lösung gibt, dann eben durch „Induktion von Leidensdruck“. Foucault hat dies so umschrieben: „Aus einem formlosen Teig, aus einem untauglichen Körper, macht man die Maschine, derer man bedarf (...) (8)“ Sprache wird zu einem maschinellen Code, zu einem binären System aus Nullen und Einsen, die am Ende eine zu funktionierende Maschine formen soll.

 

Das Büro wird so zu einem neu gedachten Gefängnis, welches seine physikalischen Mauern auflöst, um sie mental in jedem Insassen stärker zu verankern. Ein modernes Gefängnis, was die Trennung von Arbeit und Privatleben architektonisch aufzuheben versucht, in dem das Möbelar innerhalb des Büros immer mehr an das eigene Zuhause erinnern soll. Was hier angepriesen wird, ist das Zugeständnis an die Befindlichkeiten der Mitarbeiter, eine Art Flexibilität für die individuellen Wünschen der Angestellten. Doch wenn sich die Gefängnisreform mit dem Ziel der Machtetablierung verselbständigt hat und jeder Bürger, entmündigt und diszipliniert, zu einem eigenen Panoptikum geworden ist, so wird jeder Arbeiter entmündigt, wenn die Trennung zwischen ihm als Angestellten und ihm als Privatperson forciert wird. Dann klingelt das Handy auch nach Feierabend, dann wird auch am Wochenende gearbeitet, dann muss man immer und dauerhaft erreichbar sein. Ein aktueller Blick auf die Verhältnisse in der deutschen Wirtschaft belegen dies. Was hier also passiert, ist eine Rückführung in die Arbeitsstruktur ins Mittelalter, in der Arbeit und Privatleben ein und das gleiche sind.

 

Worin versteckt sich das eigentliche Ziel in Begriffen wie „mega Wachstumsmentalität“. Es werden zwei Begriffe zusammengesetzt, die im Wortursprung dialektisch zusammenwirken: Wachstum, in diesem Fall wirtschaftlich und nicht biologisch verwendet, steht für einen ökonomischen Prozess innerhalb der Idee der freien Marktwirtschaft, während der Begriff der Mentalität, die Einstellung, eine humanistische Zuschreibung eines Attributs darstellt. Nun verschmelzen die Prozesse mittels Wortneuschöpfung. Was hier schleichend erzielt werden soll, ist nicht die Humanisierung der Ökonomie, sondern die Ökonomisierung des Humankapitals. In einem aktuellen Foucault-Handbuch heißt es: „Das Panoptikum erlaubte somit die Überwachung der größtmöglichen Menge von Menschen mit der größtmöglichen Anstrengung durch die kleinstmögliche Anzahl von Wächtern. (9) “Für die moderne Arbeitswelt heißt es übersetzt: Das Bürogebäude des 21. Jahrhunderts erlaubt die Optimierung der größtmöglichen Menge von Arbeitnehmern mit der größtmöglichen Effizienzsteigerung durch die kleinstmögliche Reglementierung durch das Unternehmen.

 

Wie kann bereits im Vorfeld outgesourct werden? Durch das Bewerbungsgespräch. Was hier geschieht, ist nichts anderes als eine abgewandelte Form der Prüfung, wie sie Foucault bereits in seinem Kapitel „Die Kunst der Verteilungen“ beschreibt. „Bisweilen erfordert die Disziplin die Klausur, die bauliche Verschließung eines Ortes von allen anderen Orten.“10 Ein Ort, der Kontrolle erschafft. Genau dies schafft auch das Bewerbungsgespräch, welches den potenziellen Mitarbeiter in kürzester Zeit, nach dem Erstellen eines präzisen Frage-Antwort-Schemas und der Bewertung durch ein spezielles Muster, in potenziell aus-nutzbar oder nichtverwertbar einteilt. Dies erschafft im Gegenzug beim potenziellen Arbeitnehmer eine Unterwerfung nach Disziplinar-Regeln, die einzuhalten sind, wenn Aussicht auf einen Job vorhanden sein soll.

 

Die Hörigkeit ist die Kunst der Kanalisierung der Fähigkeiten zur optimalen Ausnutzung und die gleichzeitige Schaffung eines Verhältnisses in denen der hiesige Körper ein einziger Mechanismus der Effizienz ist, von innen angetrieben, politisch abgeschottet und äußerlich unsichtbar.

 

3. Die Schuld

 

Die letzten Einstellung aus WORK HARD PLAY HARD erweist sich als eindrucksvoll. Im Hintergrund eines Foyers sehen wir Tapete, die in grau weißen Tönen einfache binäre Codes zeigt. Nullen und Einsen. Nullen und Einsen. Nullen und Einsen. Langsam zoomt die Kamera an die Tapete heran, Score setzt ein und wird immer stärker. Dieses maschinelle Geräusch klingt nicht wohlwollend in unseren Ohren, doch müssen wir uns, so scheint es, in dieser Arbeitswelt daran gewöhnen. Denn wo die Digitalisierung die Selbstoptimierung und Vergleichbarkeit der Ressource Mensch perfektioniert wird, verschwindet die Menschlichkeit. Menschlichkeit in Form von Moral und Ethik, die Maschinen nicht kennen können und nicht kennen werden. Sie betrachten uns als Nullen und Einsen, als funktionstüchtig oder aus dem Prozess zu entfernen. Dies ist auch nicht die Schuld der Maschinen, sondern derjenigen, die sie programmieren, die in Wachstum und Effizienzsteigerung das Maß aller Dinge sehen und dabei verkennen, was dadurch immer mehr verschwindet. Der Mensch hinter dem System.

 

Der stetig genutzte Satz „Die Wirtschaft muss für den Menschen da sein und nicht umgekehrt“ ist zu oft gehört worden, man hat sich an die Unerreichbarkeit dieses Ideals gewöhnt, sich damit abgefunden, quasi kapituliert. Der Mensch, kein vernunftbegabtes Tier, ein herunter-rationalisierter Funktionsmechanismus.

 

Foucault warnte vor der Verselbstständigung des Disziplinar-Dispositivs als endgültige Hörigkeit dem Machtinhaber gegenüber. Wir alle spielen den Wachturm, perfektionieren das System, weil es scheinbar unabdingbar geworden ist. So verhält es sich nun auch mit der Wirtschaft. Sie ist unabdingbar geworden, der Wachstumsgedanke, koste was es wolle, ist das Nonplusultra im Zeitgeist, der neue Disziplinar-Gedanke, das neue Dispositiv. Wir alle fallen in Ohnmacht vor der Unüberwindbarkeit des Neoliberalismus und uns fällt sogar auf, was die Resultate sind. Doch dagegen tut weder die Politik etwas, noch der Wähler. Und damit machen wir uns alle schuldig.

 

Fußnoten

 

(1) Vgl. Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, Kapitel 1: Der Körper des Verurteilten

(2) Vgl. Foucault Handbuch, 2011, S. 204

(3) Vgl. Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, S. 174

(4) Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, S. 178

(5) Vgl. Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, S. 176

(6) Vgl. Foucault Handbuch, 2011, S. 33/S.209

(7) Vgl. Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, S. 178

(8) Foucault, Überwachen und Strafen, 1976, S. 173

(9) Foucault Handbuch, 2011, S. 218

(10) Foucault, 1976, S 181

 

Literatur:

Michel Foucault, Überwachen und Strafen – Die Geburt des Gefängnisses, Suhrkamp Verlag, 1976

Klaus-Michael Bodgal, Überwachen und Strafen, In: Foucault-Handbuch, Leben – Werk – Wirken, Clemens Kammler, Rolf Pfarr, Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.), Stuttgart, S. 68-79

Sverre Raffnsoe, Marius Gudmn-Hoyer, Morten S. Thaning, Foucault, Studienhandbuch, , W. Fink UTB Verlag, München, 2011

 

Filmverzeichnis:

Work Hard Play Hard, R: Carmen Losman, D 2011

 

Dieses Essay wurde in veränderter Version als Teil einer Studienleistung im Rahmen eines Studium Generale Seminars (Schuld und Strafe) an der Universität Mainz abgegeben.